
Shiatsu und Makrobiotik – von Alfred Klausner
Vorwort
Es ist mit allen Dingen so, die in unserem Leben in Erscheinungen treten. Am Anfang sind die Dinge unbedeutend, wie zum Beispiel ein Buch. Ein Buch wie viele andere Bücher es sind, welches bei näherer Betrachtung und durch das Lesen eine sehr große Bedeutung erlangen kann. Doch am Ende des Tages ist ein Buch nur ein Buch, im „Zyklus vom Werden und Vergehen“ Mir ist es mit Shiatsu so ergangen und darauf folgend auch mit Makrobiotik. Ich dachte, das müssten doch alle Menschen erfahren und etwas über die Philosophie und die Möglichkeiten des vielfältigen, gesundheitsbringenden Shiatsu wissen!! So begeistert war ich über diesen glücklichen Zufall, dass Shiatsu in meinem Leben in Erscheinung
getreten ist.
Je mehr ich mich mit diesen Dingen beschäftigt, desto weniger verstand ich zu Beginn meiner Ausbildung und je mehr ich verstanden hatte, umso schwieriger wurde es für mich, alles wiederzugeben zu können und erst recht niederzuschreiben. So bin ich bemüht, ein zusammenhängendes Bild von Shiatsu und Makrobiotik zu vermitteln. Wissensvermittlung nur durch Kopieren und Weitergeben ist wie bei dem Spiel
„Stille Post“! Wenn das Gesagte und vor allem das Geschriebene, ohne dass es überprüft und reflektiert wird, immer wieder weitergegeben wird, können sich Fehler einschleichen. Wenn diese Information nicht eindeutig (richtig) verstanden wird und dann noch mit der eigener Interpretation wieder weitergegeben wird, kann es zu Verwirrung führen. So geht es sehr vielen Menschen, die beginnen, sich mit altem
volksmedizinischen Wissen zu beschäftigen, wie eben auch Shiatsu und Makrobiotik.
In der ursprünglichen traditionellen japanischen Shiatsu Ausbildung wird bei der „Wissensvermittlung“ mehr Augenmerk auf das Vorzeigen, Beobachten und Nachmachen gelegt und weniger auf das intellektuelle Verstehen. Es geht zuerst um das Nachmachen, um es zu Be-Greifen, so wie wir alle es als Kinder tun und dabei unsere individuellen eigenen Erfahrungen machen und daraus lernen. Was uns als NichtJapanern/innen fehlt und daher total entgeht, ist das Verständnis der Sprache, da die Benennungen, im Besonderen von Akupunkturpunkten „Tsubos“ und vielen weiteren Beschreibungen, nicht im gleichen Ausmaß verstanden werden, wie es Bedeutung hat.
Yuichi Kawada sagte einmal in einem Kurs, den ich bei ihm besuchte, er könne überhaupt nicht verstehen, warum wir die Tsubos nach Nummern lernen. Von einer Nummer kann man nicht erfahren, was dieser Punkt für eine Aussage hat in Bezug auf einen weiteren Punkt. So ist es auch bei den japanischen Schriftzeichen (Kanji), wo es je nach Zusammenhang um die richtige Bedeutung geht. Zum Beispiel: Reis bedeutet „Gohan“, dies kann, je nach Zusammenhang, auch Mahlzeit heißen.
Kopforientierte Menschen wollen beim Erlernen von Shiatsu tendenziell alles zuerst vom Verstand verstehen, bevor sie etwas machen. Daher benötigen diese Menschen zuerst immer viele Erklärungen und Anleitungen. Das ist soweit auch gut, doch um etwas voll und ganz verstehen zu können, braucht es vorher noch das Begreifen und das ist das tolle an den Shiatsuausbildungen, weil es dabei um diesen Weg des Lernen geht, nämlich, erkennen-begreifen-verstehen. Verstehen bedeutet, dass man es von Kopf bis Fuß erfasste hat. Wenn man etwas voll und ganz verstanden hat, kann man beginnen zu gestalten.
So bin auch ich geprägt von einer Erziehungskultur aus den 60iger Jahren, mit der ich immer darauf hingewiesen wurde, doch zuerst den Kopf (Verstand) zu nutzen und nachzudenken, bevor ich handle. Doch ich habe es irgendwie nicht verstanden, wie das gehen soll, wenn ich es selber noch nicht ausprobiert und daher keine Erfahrung gemacht habe. Ich war verunsichert und wurde mehr und mehr gehemmt, Dinge einfach auszuprobieren und zu tun. Das hat mich auf die Suche nach einer Lösung meines Dilemmas, zu der fernöstlichen Denk-und Sichtweise der ganzheitlichen Betrachtung geführt. So bin ich bereits mit 15 Jahren über die fernöstlichen Kampfkünste auf Lao Tse, Konfuzius, und ZEN gestoßen, welche mich in meinem Verständnis und Interesse viel mehr bestätigt haben als der westliche Denkansatz, wie das Leben fließt („funktioniert“).
Nämlich: Das Einzige, was sich nicht ändert, ist, dass sich alles immer ändert! Alles ist im Wandel und im Wandel ist das Lebendige wiederzuerkennen.
Als kleine Kinder wollen wir alles An- und Begreifen und lernen dabei zu verstehen, und mit zunehmendem Alter wollen wir alles verstehen und lernen dadurch wieder etwas zu begreifen!
Der makrobiotische Weg ist, sich bewusst zu machen, dass beides zusammen zu mehr Ganzheitlichkeit führt. Mit dieser Betrachtungsweise gibt es keine Trennung wie das berühmte „endweder-oder“, sondern das Wissen, dass immer alles im Wandel ist, was ein „sowohl als auch“ beinhaltet!
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